• ITW – Die meisten Leute nennen ihn einfach „Crazy Karl“ Das mag vielleicht in Bezug auf sein Skifahren richtig sein, doch als ich mit Karl Fostvedt nach dem Vars Tournament zusammensaß, konnte ich feststellen, dass seine Ansichten alles andere als verrückt sind...
    BC FREESTYLE
    ITW – Die meisten Leute nennen ihn einfach „Crazy Karl“ Das mag vielleicht in Bezug auf sein Skifahren richtig sein, doch als ich mit Karl Fostvedt nach dem Vars Tournament zusammensaß, konnte ich feststellen, dass seine Ansichten alles andere als verrückt sind...
    David Malacrida
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    3:00 pm
    November 24, 2014
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    Wir haben uns mit Karl Fostvedt getroffen und uns mit ihm über Gott und die Welt unterhalten. Hier ist das gesamte Interview in all seiner Pracht aus der aktuellen Downdays Printausgabe.

    Auf die nächste Printausgabe müsst ihr auch nicht mehr lange warten und wenn alles läuft wie geplant, sollte sie pünktlich zu Weihnachten unter deinem Baum liegen!

    Das Vars Tournament ist gerade zu Ende mit einem Format, das an Game of S.K.A.T.E erinnert, und wir haben viele unterschiedliche Skifahrer gesehen.Was hältst du da- von und von Contests allgemein?
    Mir hat es super gefallen, weil es anders als all die anderen Wettkämpfe war. Man hat viele Tricks gesehen, die man sonst nicht sieht, und es gibt von jedem Head- to-Head-Duell einen eigenen Edit. Normalerweise steht bei mir das Filmen im
    Vordergrund, deshalb ist es cool an so einem einzigartigen Event wie hier in Vars teilzunehmen. Es gibt so viele Arten Ski zu fahren.Viele Wettkämpfe werden heute von den FIS-Regeln geprägt, was die Kreativität und den Spaß nicht gerade fördert.Wann hat man das letzte Mal ei- nen Gap-to-Rail über einen Boxring in einem Contest gesehen? Die Fahrer ha- ben in Vars zwar keine Triples gezeigt, aber Fahrer wie Vinnie Gagnier standen Tricks, die man nie zuvor gesehen hat.

    Contests wie das Vars Tournament, B&E Inventational oder Nine Knights sind ohne Frage wichtig für den Fortschritt in unserem Sport. Aber wie siehst du Olympia persönlich?
    Naja, am Anfang konnte ich mich mit Freeskiing bei Olympia nicht so recht anfreunden, weil mein erster Kontakt mit Freeskiing, Freeze Magazine, immer „FIS sucks!“ geschrieben hat. Es hat mich auch fasziniert, dass Freeskiing so wild und unkontrolliert war. Jetzt kont- rolliert die FIS die wichtigste Bühne, die unser Sport hat. Obwohl bei Olympia der wohl beste Slopestyle-Contest in der Geschichte des Sports stattfand, bin ich immer noch nicht damit einverstanden, dass wir uns für Olympia an die FIS verkauft haben. So wie ich das mitkriege, sind der FIS die eigenen Funktionäre wichtiger als die Athleten. Deshalb mag ich die FIS nicht und dank Events wie hier oder wie das Sammy Carlson Invita- tional, JOI, War of Rails und den X Games brauchen wir sie auch nicht.

    Viele Leute kennen dich als Skifah- rer. Was hat dich diesmal nach Eu- ropa gebracht und ist es das erste Mal, dass du hier bist?

    Es ist mein zweites Mal in Europa, aber mein erstes Mal auf einem echten Ski- trip. Das Ganze kam in letzter Minute zustande, da mich AJ Dakoulas (Besitzer von 4bi9 Media) auf einen Trip nach Bosnien zusammen mit Joss Christensen, Chris Laker, Andrew Napier, Mike McLeod und Nate Abbott für TGR ein- geladen hat.Wir haben dort auch an den ehemaligen olympischen Stätten von Sarajewo gefilmt. Die Zeit in Bosnien war verrückt, denn es hatte 20°C und es war fast jedenTag sonnig. Es war der schlechtesteWinter dort seit langem.Wir hatten einen Lastwagen und zahlten jemanden, damit er Schnee zu alten, aufgegebenen Hotels oder eben den Olympiaschau- plätzen brachte. Er schaffte etwa drei oder vier Fuhren am Tag. Damit konnten wir einen Wallride, einen Step-up, verschiedene Handrails und einige fette Drops verwirklichen. Joss war nach sei- nem Olympiasieg super motiviert, er liebte die Idee einen Platz zu jibben, der so aussieht wie Sotschi vielleicht in 30 Jahren. Der ganze Trip war großartig.

    Was hältst du von einem Olympia- sieger, der nur einen Monat später auf solch einen Urban Trip geht?
    Er beeindruckt mich wirklich! Er ist noch genau derselbe, der er vor Olympia war. Er könnte seinen neu gewonnenen Ruhm auskosten, aber Joss geht lieber zum Skifahren und hängt mit seinen Freunden und seiner Familie ab. Er kam zurück nach Park City und filmte erst mal mit seinen Kumpels und freute sich dann unheimlich auf diesen Trip. Joss war immer einer der talentiertesten und gleichzeitig wenig beachteten Skifahrer. Er ist genauso wie ich aufgewachsen und hat Jungs wie Tanner Hall, CR Johnson und Candide Thovex bei all ihren Siegen gesehen. Wir sahen, wie viel Spaß sie dabei hatten, und hofften auf die Chance, auch einmal auf solch einem Podium zu stehen. Ich respektiere Joss dafür, dass er die Chance erkannt hat, die Olympia bot, und sie ergriffen hat. Er ist gefahren wie ein Champion. Joss ist der Grund, warum Olympia so toll war.

    Was hat dich nach Utah verschlagen und was sind deine Ski-Einflüsse?
    Ich bin schon seit 2002 in Park City und immer mit Jungs wie Joss Christensen oder den Peters Brothers (Max und Tosh) gefahren. Aber aufgewachsen bin ich in Sun Valley. Meine Eltern haben mich bei der Sun Valley Ski Education Foundation eingeschrieben, als ich sieben war. Ich war immer der Kleinste, der die großen KinderJumps springen wollte, deshalb fing mein Coach an mich Crazy Karl zu nennen und das blieb bis heute. Es gab damals noch keinen Park in Sun Valley, aber es gab einen jährlichen Contest in Park City.Wir sind dann aber nicht mitgefahren, sondern nur den ganzen Tag im Park geshreddet. Dort haben mir Jungs wie Collin Collins Backflips und Cork 7s beigebracht. Er war für mich als Kind ein toller Mentor. Collin baute von Hand überall in SunValley Kicker und hat dann alle eingeladen, sie mit ihm zu springen. Obwohl wir uns alle einen Park in Sun Valley gewünscht hätten, bin ich froh, dass es nicht so war, denn sonst hätte ich meine ganze Zeit dort verbracht. So aber mussten wir un- sere Tricks irgendwo lernen und haben dabei viel mehr gelernt. Es gibt so viele Möglichkeiten mit Skiern in die Luft zu gelangen und ich bin froh, dass ich das schon als Kind gelernt habe. Zum Studieren bin ich dann nach Salt Lake City gegangen, dort gibt es eine gute Universität und nur 30 Minuten entfernt tolle Berge. In meinem zweiten Jahr in Utah
    fing ich an mit den Jungs zu filmen, mit denen ich das auch heute noch mache: John Ware, Dale Talkington, Jake Doan und Tim McChesney. Die Filmer wurden besser, wir alle wurden besser. Poorboyz hat mich dann in einem Edit mit Evan Heath in Park City gesehen und der gefiel ihnen. Also habe ich angefangen mit Poorboyz zu shooten und jetzt habe ich mein erstes Segment mit TGR, aber es ist eigentlich mehr ein 4bi9 Trip, der in einem TGR Film laufen wird.

    Mit mehreren Filmcompanys zu drehen, rund um die Welt zu reisen und gleichzeitig zu studieren, das muss schwer zu balancieren sein…
    Es hört sich nach viel an, aber ich organi- siere das tageweise und es klappt! Diesen Sommer schließe ich die Uni mit einem Abschluss in Umweltund Nachhaltig- keitsforschung ab. Normal dauert das vier Jahre, aber ich habe sechs Jahre gebraucht wegen meines Skiproblems. Als ich anfing mit Poorboyz zu filmen, hätte ich fast mit der Uni aufgehört, weil ich einfach nur noch das beste Segment liefern wollte. Weil ich aber schon halb fertig war, nahm ich von da an nur noch Kurse im Sommer und hatte so mehr Zeit im Winter. Das Schwierigste war aber, alles was ich in der Uni gelernt habe, mit meinem Freeski-Lifestyle zu vereinbaren. Skifahren und Umweltbe- wusstsein stehen sich fast unvereinbar gegenüber, wenn man die CO2-Bilanz bedenkt, die man mit 200 Skitagen auf der ganzenWelt verteilt im Jahr hat.

    Das klingt so, als würde dir die Um- welt und unser Einfluss darauf wirk- lich viel bedeuten…
    Ja, natürlich! Mir ist aber bewusst ge- worden, dass meine absolute Lieblings- beschäftigung – das was mich erst leben- dig macht – enorm unsere zerbrechliche Umwelt bedroht. Ich weiß, dass ich nicht mit dem Skifahren aufhören kann, aber ich versuche nun meinen negativen Ein- fluss so weit wie möglich zu begrenzen. Zum Beispiel habe ich, als ich mehr dar- über gelernt habe, wie in unserem Land Lebensmittel produziert werden, meine Ernährung umgestellt auf Produkte, die nachhaltig entstehen. Es ist krass, welche Infrastruktur wir in den USA aufgebaut haben, um Landwirtschaft zu betreiben. All die Chemie! Wir nehmen immer nur von der Umwelt. Aber man kann einiges tun, indem man etwa darauf achtet, wo die Produkte herkommen.Versucht lokal zu kaufen! Es ist verrückt, wie das Essen in Frankreich schon viel besser ist. Ge-
    meinschaften sollten für sich selbst pro- duzieren anstatt genetisch veränderte Lebensmittel von internationalen Kor- porationen zu kaufen, die nur auf Ge- winnmaximierung aus sind.

    Wo ist dein Platz in diesem System?
    Das ist nicht leicht, denn konsumieren ist in unserer Gesellschaft zu einfach. Ich weiß nicht, wie ich es rechtfertigen kann über den Atlantik zu fliegen nur um skizufahren, aber ich könnte es auch nicht rechtfertigen nie einen Fuß in die Alpen zu setzen. Neue Leute und andere Kul- turen kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln könnte mich zu einem besseren Menschen machen und helfen, neue wichtige Ideen in die USA zu brin- gen. Das würde dann den Einfluss auf lange Sicht wieder vermindern… Ich weiß, dass ich nicht perfekt bin, aber ich werde versuchen, jedes Jahr ein bisschen besser zu werden. Es geht darum ein Teil der Lösung zu sein und nicht Teil des Problems. Im Moment bin ich noch auf der falschen Seite. Aber ich denke, das kommt auch mit dem Alter, es gibt so viel über unsere Welt zu lernen. Vorerst
    versuche ich mit meiner Familie soviel Nahrung selbst zu produzieren wie möglich ohne zum Supermarkt zu gehen.Wir werden diesen Sommer soviel wie mög- lich in unserem Garten anbauen.

    Wie siehst du deine Zukunft?
    Ich möchte den Leuten den Spaß am Skifahren zeigen und ich will keinesfalls 12 Stunden am Tag in einem Büro sitzen und immer das Gleiche tun. In 20 Jahren würde ich gerne vom Berg direkt vor meiner Haustür abschwingen. Hoffentlich habe ich dann ein Haus mit Solarzellen, Regenwassersammelanlage, Ge- müsegarten, Gewächshaus und allem.

    Und die Pläne für die nahe Zukunft?

    Vor allem möchte ich mich im Backcountry verbessern, mehr über Lawinen lernen und über die Schneedecke, um si- cher ins Gelände gehen zu können. Jede Entscheidung in den Bergen kann große Konsequenzen haben, darum muss ich meine Fähigkeiten verbessern, damit ich Skifahren noch lange genießen kann.

    Danke für das tolle Gespräch!

    David Malacrida

    Our resident Frenchman, David digs through the deepest darkest nooks and crannies of the Internet to bring you the best of the best content daily.